Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD fordert der Bundesverband Queere Bildung von der Politik Taten, um Queerfeindlichkeit bereits im Ansatz zu bekämpfen. Während die Bundesregierung ihren Fokus aktuell allein auf Extremismusbekämpfung und -prävention legt, werden Maßnahmen der Antidiskriminierungsarbeit weiter abgebaut – nicht zuletzt durch den Umbau im Bundesprogramm Demokratie leben! Dabei handelt es sich bei Queerfeindlichkeit um eine zentrale Brückenideologie zu extremistischen Weltanschauungen, der durch queere Bildungsarbeit wirksam begegnet werden kann.
“Wer queere Menschen wirksam schützen will, darf Queerfeindlichkeit nicht erst dort bekämpfen, wo sie tödlich wird,“ fordert Kira Splitt, geschäftsführende Gesamtprojektleitung des Bundesverbands. „Es ist unbegreiflich, dass unsere Bundesregierung aktuell den Schutz queeren Lebens beschwört, während sie gleichzeitig weiterhin am Kahlschlag unserer über Jahrzehnte aufgebauten Community-Strukturen arbeitet.“ Erst am Mittwoch verteidigte Bildungs- und Familienministerin Prien im Interview etwa die Neuausrichtung des Bundesprogramms Demokratie leben!, in dem zukünftig der queere Förderschwerpunkt „Vielfaltgestaltung“ fehlen soll. Die aktuell einzige bundesweite Förderung zur Stärkung und zum Ausbau queerer Bildungsarbeit steht dadurch vor ihrem Aus.
Queerfeindlichkeit ist eine Brückenideologie, mit der Menschen für extremistische Weltanschauungen geködert werden. Diese Weltanschauungen in ihren extremsten Ausprägungen zu bekämpfen, ist wichtig. Das gilt für den Islamismus, zu dem sich der Täter des Berliner Attentats bekannt hat. Und es gilt für den Rechtsextremismus, der verantwortlich ist für knapp die Hälfte der Angriffe auf CSDs bundesweit. Erst dort anzusetzen, wo sich menschenfeindliche Ideologien verfestigt haben, greift allerdings zu kurz.
“Da queerfeindliche Narrative für viele, vor allem junge, Menschen einen Zugang zu menschenfeindlichen und gewaltbereiten Weltanschauungen schaffen, ist klar, dass wirksame Prävention nicht ohne Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit auskommt,“ so Splitt. Kontakt- und dialogbasierte queere Bildungsarbeit, wie sie über 90 Projekte in Deutschland leisten, trägt signifikant dazu bei, queerfeindlicher Diskriminierung zu begegnen. Das bestätigten zuletzt die 2025 veröffentlichten Ergebnisse eines Feldexperiments mit 10.000 Schüler_innen. Dennoch ist queere Bildungsarbeit immer wieder bedroht: Förderlücken führen zu einer massiven Unterversorgung, ein Drittel des Bedarfs kann aktuell nicht gedeckt werden. Das heißt konkret: Zu viele Jugendliche haben keinen Zugang zu Angeboten queerer Bildungsarbeit, die Akzeptanz von lsbtiaq+ Menschen stärkt und psychischer und physischer Gewalt vorbeugt. Zu viele pädagogische Fachkräfte werden allein gelassen, wenn sie Handlungsstrategien gegen Queerfeindlichkeit erlernen wollen. Zum wirksamen Schutz queerer Menschen fordert der Bundesverband eine Absicherung der Strukturen, die mit ihrer Arbeit tagtäglich die Folgen zunehmender Queerfeindlichkeit auffangen: Sei es in der Beratung für Betroffene, in der fachkundigen Begleitung von Institutionen, in der Jugend- und Selbsthilfearbeit und ganz besonders in der Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit.
Kontakt
Rebecca Knecht
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
rebecca.knecht@queere-bildung.de
0155-65224612
Über den Bundesverband Queere Bildung
Queere Bildung e. V. ist der Fachverband für Bildungsarbeit zu sexueller, romantischer und geschlechtlicher Vielfalt in Deutschland. Der Bundesverband vernetzt, bündelt, professionalisiert und kommuniziert die lokale Bildungs- und Aufklärungsarbeit für Schulen, die offene Jugendarbeit und die Jugendbereiche von Sportvereinen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Organisationen. Im bundesweiten Netzwerk sind mehr als 90 lokale und regionale Projekte aus allen 16 Bundesländern organisiert, deren über 800 hauptsächlich ehrenamtliche Bildungsreferent_innen jährlich über 50.000 Teilnehmende mit Bildungsangeboten in der Jugend- und Erwachsenenbildung erreichen.
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