Kürzungen gefährden Antidiskriminierungsarbeit: Ein Drittel des Bedarfs kann aktuell nicht gedeckt werden

Während queerfeindliche Diskriminierung zunimmt, gerät ausgerechnet die präventive Antidiskriminierungsarbeit weiter unter Druck. Das zeigt die Erhebung über die Arbeit des Netzwerks queerer Bildungsarbeit im Jahr 2025. Aktuell 99 lokale und regionale Teams setzen sich als Teil des Bundesverbands Queere Bildung dafür ein, Antidiskriminierung in der Bildung zu verankern. Mit Erfolg: ca. 55.000 Menschen haben 2025 ein Angebot queerer Bildungsarbeit besucht. Allerdings kann der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden. Etwa ein Drittel der Anfragen, die lokale Teams erreichen, konnten nicht erfüllt werden.

“Queerfeindlicher Hass und Stimmungsmache gegen zivilgesellschaftliche Arbeit gehen auch am Netzwerk queerer Bildungsarbeit nicht spurlos vorüber,“ erklärt Kira Splitt, geschäftsführende Gesamtprojektleitung des Bundesverbands. Laut einer Erhebung der Amadeu Antonio Stiftung gab es im Jahr 2025 111 dokumentierte Angriffe auf CSDs – fast jede zweite Veranstaltung war betroffen. In einem Lagebild zur lsbtiaq+-feindlichen Gewalt kam das Bundeskriminalamt bereits 2024 zu dem Schluss, dass sich die Fallzahlen seit 2010 fast verzehnfacht haben. „Wir erleben zunehmend, dass Teams Bildungsveranstaltungen abbrechen müssen, weil queerfeindliche Haltungen so tief verankert sind, dass ein produktives Arbeiten mit unseren präventiven Konzepten nicht mehr möglich ist,“ so Splitt. „Was es in dieser Situation braucht, ist eine verlässliche Strukturförderung, damit jedes ehrenamtliche Team von hauptamtlichen Kräften begleitet wird, die solche Erfahrungen aufarbeiten und Weiterbildung für die Ehrenamtlichen ermöglichen. Außerdem braucht es neben der bewährten Prävention Konzepte für Interventionsveranstaltungen, um mit verhärteter queerfeindlicher Ideologie umzugehen.“

Stattdessen wendeten sich zunehmend Mitglieder an den Bundesverband, die von einer Kürzung oder gar völligen Streichung ihrer Fördermittel betroffen seien. Auch die jährliche Umfrage im Netzwerk queerer Bildungsarbeit belegt: die Personalkapazitäten der Projekte vor Ort werden immer weiter eingeschränkt. Zwar gaben 2025 mehr Teams als im Jahr zuvor an, über bezahlte Stellen zu verfügen (also sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, Minijobber_innen oder Honorarkräfte zu beschäftigen). Gleichzeitig sinkt der Stundenumfang, mit dem ihre Arbeit möglich ist: die 119 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Netzwerk kommen auf insgesamt 65 Vollzeitäquivalente, ganze 10 weniger als noch 2024. „Politische Entscheidungsträger_innen betrachten Antidiskriminierungsarbeit und queere Einrichtungen zunehmend als einen Luxus, der sich in Zeiten knapper Haushalte kürzen lässt,“ so Splitt. „Diese Rechnung geht nicht auf. Wer an Prävention und an der sozialen Infrastruktur marginalisierter Gruppen kürzt, nimmt in Kauf, dass langfristig weit größere Kosten entstehen, wenn die Folgen von Diskriminierung und Gewalt aufgearbeitet werden müssen.“

Kerninformationen aus der Erhebung zum Netzwerk queerer Bildungsarbeit 2025

  • 65 von 99 Projekten im Netzwerk haben sich an der Befragung zu ihrer Arbeit im Jahr 2025 beteiligt.
  • Darunter sind Projekte aus allen Bundesländern mit Ausnahme von Thüringen.
  • 874 Ehrenamtliche waren bundesweit aktiv.
  • Dazu kommen 166 bezahlte Mitarbeitende.
  • Insgesamt sind also über 1000 Menschen im Netzwerk queerer Bildungsarbeit aktiv.
  • 45.716 Jugendliche und junge Erwachsene (bis 27) haben ein Angebot queerer Bildungsarbeit wahrgenommen.
  • Hinzu kommen 9.764 Teilnehmende in Angeboten der Erwachsenenbildung.
  • Am häufigsten nehmen sozialpädagogische Fachkräfte die Angebote der queeren Erwachsenenbildung wahr, gefolgt von Lehrkräften im Beruf und Lehrkräften in Ausbildung.
  • 37,5% der Umfrageteilnehmer_innen gaben an, dass die Nachfrage nach ihren Angeboten im Vergleich zu 2025 gestiegen ist.
  • 1142 Anfragen für Bildungsveranstaltungen mussten abgelehnt werden.

Den ausführlichen Bericht zur Jahresumfrage 2025 im Netzwerk queerer Bildungsarbeit finden Sie hier:

Kontakt

Rebecca Knecht
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
rebecca.knecht@queere-bildung.de
0155-65224612

Die Jahresumfrage im Netzwerk queerer Bildungsarbeit ist ein Angebot des Projekts „Selbstverständlich Vielfalt – Kooperationsverbund für sexuelle, romantische und geschlechtliche Selbstbestimmung“ und wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert. Für inhaltliche Aussagen und Meinungsäußerungen tragen die Publizierenden dieser Veröffentlichung die Verantwortung. 

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