Starke Schulgemeinschaft gegen Queerfeindlichkeit: Schule der Vielfalt stellt Qualitätsstandards vor

Bessere Begleitung, mehr Blick auf Strukturelles: mit Erkenntnissen aus fast 20 Jahren Arbeit hat das Bundesnetzwerk Schule der Vielfalt seine Qualitätsstandards überarbeitet. Das Ziel: noch mehr Unterstützung und Handlungsoptionen für Schulen, die als Teil des Netzwerks Zeichen für Akzeptanz, gegen Mobbing und Gewalt setzen.   

„Jede Schule hat einen anderen Weg vor sich, um Schule der Vielfalt zu werden – aber bestimmte Elemente sind für alle wichtig,“ erklärt Frank G. Pohl, Leiter der NRW-Fachberatungsstelle und Sprecher des Bundesnetzwerks Schule der Vielfalt. „Wir greifen in unserem Netzwerk mittlerweile auf fast 20 Jahre Erfahrung zurück, wenn es darum geht, Schulen in ihren Entwicklungsprozessen zu begleiten.“ Diese Expertise bündelt sich in den Qualitätsstandards für Projektschulen, soeben in überarbeiteter Auflage erschienen.

Damit es gelingt, ein bestärkender Lern- und Arbeitsort für alle Lesben und Schwulen, Bisexuellen, trans* und inter* Personen, asexuellen und queeren Menschen (LSBTIAQ+) zu werden, sei vor allem entscheidend, dass Schulen ihre Entwicklung ganzheitlich angehen, so Christiane Morlock, Bildungsreferent_in Schule beim Jugendverband lambda::nord und Sprecherin des Bundesnetzwerks Schule der Vielfalt. „Es reicht nicht, ein Schild aufzuhängen und zu sagen: Wir sind jetzt Schule der Vielfalt, Problem gelöst.“ Die Qualitätsstandards sehen daher vor, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt fachübergreifend und über außerunterrichtliche Aktivitäten zu thematisieren. Für das Kollegium gibt es regelmäßige Fortbildungen, für Schüler_innen darüber hinaus Bildungsangebote von externen Träger_innen – meist aus dem Netzwerk des Bundesverbands Queere Bildung. Gerahmt werden alle Aktivitäten durch eine Selbstverpflichtungserklärung der Schul- bzw. Gesamtkonferenz, denn nachhaltige Veränderung sei nur möglich, wenn alle Mitglieder der Schulgemeinschaft an einem Strang ziehen.

Bei der Überarbeitung der Standards seien Erkenntnisse eingeflossen, die sich seit ihrer ersten Veröffentlichung im Jahr 2013 als best practices herauskristallisiert hätten, so Pohl. „Zum Beispiel haben wir festgestellt, dass es vielen Schulen hilft, neben Vernetzungstreffen auch individuelle Projektentwicklungsgespräche mit uns als Koordinator_innen wahrzunehmen. Diese Möglichkeit haben wir daher als Empfehlung mit aufgenommen.“ Inhaltlich neu ist außerdem, dass teilnehmende Schulen sich verpflichten, neben Schulkultur und Unterrichtsinhalten auch die eigenen Strukturen kritisch zu hinterfragen. „Dazu gehört die Frage: funktioniert unser Schulalltag wirklich für alle gleich gut? Oder gibt es Stellen, an denen queere Schüler_innen, Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte diskriminiert werden – z.B. in Anmeldeformularen, bei der Nutzung von Schultoiletten oder in den Regelungen für Klassenfahrten,“ so Morlock. 

Qualitätsstandards im Überblick

  • Unterzeichnung einer Selbstverpflichtungserklärung
  • Öffentliches Auftreten als Schule der Vielfalt
  • Benennung klarer Ansprechpersonen
  • Weiterentwicklung durch Fortbildung und Beteiligung an Vernetzungstreffen
  • Regelmäßige Berichte über die Projektaktivitäten
  • Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als Thema im Unterricht (inkl. curricular vorgeschriebener Sexualaufklärung) und in außerunterrichtlichen Aktivitäten
  • Bildungsworkshops für Schüler_innen
  • Kontinuierliche Arbeit an einer queer-inklusiven Schulgemeinschaft

Die neuen Qualitätsstandards im Detail finden Sie hier:

Kontakt

Rebecca Knecht
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
rebecca.knecht@queere-bildung.de
0155-65224612

Christiane Morlock und Frank G. Pohl
Sprecher_innen Bundesnetzwerk Schule der Vielfalt
sprecher.in@schule-der-vielfalt.org