Was ist queere Bildungsarbeit?

 

Queere Bildungsarbeit setzt sich für eine Gesellschaft ein in der lesbische, bisexuelle, asexuelle, schwule, trans*, inter*, heterosexuelle und queere Lebensweisen gleichberechtigt gelebt werden können und uneingeschränkte Akzeptanz finden. Das Grundanliegen von Queere Bildung e.V. ist die persönliche Selbstbestimmung zu fördern und Diskriminierung entgegen zu wirken.

Zentrale Aufgabe queerer Bildungsarbeit ist die Begegnung und das Sichtbarmachen von LSBTIQ*Lebensweisen, Aufdecken von Diskriminierungsebenen sowie die Sensibilisierung für soziale Ungleichheiten im Kontext von geschlechtlicher Identitäten und sexueller Orientierungen.
 
Ziele der lokalen Interventionen:
• Sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung stärken
• Gewaltprävention und Akzeptanzförderung von LSBTIQ*
• Diskriminierungsmechanismen und gesellschaftliche Privilegien sichtbar machen und hinterfragen
• Vorurteile und Klischees reflektieren und abbauen helfen
• Vermittlung einer vorurteils- und diversitätsbewussten Haltung
• Angstfreie Räume der Vielfalt schaffen

Diese Ziele werden durch folgende Maßnahmen erreicht:
• Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen
• Vermittlung von Wissen zu LSBTIQ*-Lebensweisen und rechtlicher Bestimmungen wie des AGG
• Sensibilisierung für Mehrfachdiskriminierungen und Einnahme einer intersektionalen Haltung
• Lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und queere Lebensweisen gleichberechtigt und gleichwertig mit heterosexuellen Lebensweisen darstellen
• Diskussionen und altersspezifische Methoden zum Thema „Umgang mit Differenz“
• Reflektieren von gesellschaftlich geforderten Geschlechterrollen
 
 Die Teilnehmenden bekommen in Workshops oft erstmals die Gelegenheit ihre Fragen an LSBTIQ*-Personen zu stellen und ins Gespräch zu kommen. Die Workshops wirken damit konkret in die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft und laden zu einer Auseinandersetzung über demokratisches Zusammenleben und Antidiskriminierung ein. 
 
 

Ausgangssituation

Jugendarbeit, Schule und Sportvereine sind heteronormativ geprägte Lebensräume in denen LSBTIQ* weitgehend unsichtbar bleiben und mehrheitlich diskriminiert und benachteiligt werden. Beschimpfungen und systematisches Mobbing aufgrund der sexuellen und geschlechtlichen Identität werden nur selten sanktioniert, Homo- und Trans*feindlichkeit selten als gesellschaftliches Problem wahrgenommen und benannt. In Gesprächen, Büchern und pädagogischen Haltungen werden Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit als erwünschte Normen unreflektiert an die Jugendlichen kommuniziert und reproduziert. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt werden dadurch unsichtbar gemacht und wirkmächtig zu einer „Abweichung“ reduziert. Die selbstverständliche und menschenrechtlich verankerte gesellschaftliche Teilhabe wird damit aktiv in Frage gestellt.
 

 

Mehrere Studien weisen übereinstimmend darauf hin, dass diese Diskriminierungs- und Ausgrenzungspraktiken sich messbar negativ auf den Alltag von LSBTIQ*-Jugendlichen auswirken und mit Teilhabeausschlüssen, Gewalterfahrungen und Machtasymmetrien einhergehen. Diese Wirkungen sind auch aus der Forschung zu Rassismus, Sexismus und anderen –ismen gut belegt. Der Umgang mit gesellschaftlichen „Minderheiten“ muss jedoch als Gradmesser einer Demokratie beschrieben und insofern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden.